Gründungsmonitor

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Über den Green Economy Gründungsmonitor

Der Green Economy Gründungsmonitor wird vom Borderstep Institut in Zusammenarbeit mit der EXIST-Gründerhochschule Universität Oldenburg herausgegeben. Er stellt Indikatoren und Entwicklungen zu Gründungen in den Bereichen Erneuerbare  Energien, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und weiteren Feldern der  Green Economy zur Verfügung. Das Vorhaben wird vom Bundesumweltministerium und der Nationalen Klimaschutzinitiative im Rahmen der Gründerinitiative StartUp4Climate gefördert.

Die Erhebungsmethode baut auf der „EGSS-Klassifikation“ des europäischen Statistikamtes EUROSTAT auf. Sie definiert „Grüne Gründungen“ als Unternehmensgründungen, die mit ihren Produkten, Technologien und Dienstleistungen einen Beitrag zu den ökologischen Zielen der Green Economy leisten.

Die Untersuchung des Green Economy Gründungsmonitors 2015

Der Green Economy Gründungsmonitor 2015 analysiert die langfristige Entwicklung grüner Unternehmensgründungen in einem Panel von 5.625 Start-ups und jungen Unternehmen (625 pro Gründungsjahrgang) der zurückliegenden 9 Jahre. Mit der Erweiterung des Panels von 2006 bis 2013 um den Gründungsjahrgang 2014 sowie zusätzlichen Untersuchungen zweier ausgewählter europäischer Länder legt der Green Economy Gründungsmonitor 2015 seine Schwerpunkte sowohl auf die aktuelle Entwicklung der grünen Gründungen in Deutschland als auch auf einen europäischen Vergleich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem Handel ist der Querschnittsektor Green Economy mittlerweile das größte Gründungsfeld in Deutschland
  • Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 21.500 neue Betriebe im Bereich der Green Economy gegründet
  • 17,3 Prozent aller Gründungen fanden 2014 in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Emissionsminderung, Kreislaufwirtschaft und anderen Bereichen der Green Economy statt
  • Mit einem Anteil von 86 Prozent im Energiesektor und 54 Prozent im Bausektor stellen grüne Gründungen 2014 wichtige Transformationsmotoren in einzelnen Wirtschaftssektoren dar
  • Hamburg und Schleswig-Holstein weisen im langjährigen Mittel (2006 bis 2014) die höchste Gründungsintensität bei grünen Gründungen auf
  • Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland mit einem langfristigen Gründungsanteil von über 10 Prozent in den Bereichen Energiewende und Emissionsvermeidung eine führende Rolle ein
  • Schwerpunkte der Green Economy Gründungen liegen in Deutschland im Bereich Erneuerbare Energien, in Finnland im Bereich Energieeffizienz und in Schweden im Bereich Emissionsvermeidung

Die Erhebung: Fokus auf Betriebsneugründungen mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung

Auf Basis einer Unternehmensdatenbank von Creditreform, die Datensätze zu über 1,3 Mio. wirtschaftsaktiven Unternehmen in Deutschland enthält, untersucht der Green Economy Gründungsmonitor Betriebsneugründungen mit „größerer wirtschaftlicher Bedeutung“ (vgl. Stat. Bundesamt 2015, S. 3). Im Panel mit 5.000 Gründungen von 2006 bis 2013 und der aktuellen Stichprobe von 625 Gründungen im Jahr 2014 werden rund ein Prozent aller Unternehmen des betreffenden Zeitraums der Creditreform-Datenbank ausgewertet. Deren Klassifizierung nach einzelnen Bereichen der Green Economy wie Erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder Kreislaufwirtschaft  erfolgt nach der EGSS-Methode von EUROSTAT (vgl. Weiß & Fichter 2015).

Für einen europäischen Vergleich wurden mit Finnland und Schweden  zwei führende Länder bei Cleantech-Innovationen ausgewählt  (vgl.  EIO 2013 und WWF & Cleantech Group 2014). Dem jeweiligen  Unternehmensbestand der Länder entsprechend enthalten die beiden  Stichproben 1.000 Unternehmen in Finnland und 2.000 Unternehmen in Schweden für den Zeitraum von 2006 bis 2013. Die Gesamterhebung umfasst damit 8.625 Unternehmen, von denen 7.502 (87 %) vollständig ausgewertet werden konnten.

Die Indikatoren: Gesamtzahl, Gründungsanteil und Gründungsintensität grüner Gründungen

Die Entwicklung von Gründungen im Bereich der Green Economy lässt sich anhand von drei Kernindikatoren beschreiben. Ausgangspunkt ist die Gesamtzahl der Betriebsneugründungen eines Kalenderjahres, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen per Geschäftszweck einen Beitrag zu den ökologischen Zielen der Green Economy leisten. Auf dieser Basis wird der Green Economy Gründungsanteil sowohl für die Bundes- und Länderebene als auch für einzelne Sektoren die Zahl der grünen Gründungen ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Gründungen eines Jahres gesetzt. Die Green Economy Gründungsintensität bezieht die Zahl der grünen Gründungen auf die Zahl der Erwerbstätigen und ermöglicht insbesondere Vergleiche von unterschiedlich großen Ländern und Regionen.

Rückgang der Betriebsgründungen in Deutschland

Im Bereich der Betriebsgründungen ist die langfristige Entwicklung  rückläufig. Sie verzeichnet zwischen 2006 und 2014 einen Rückgang um fast ein Viertel (23,5 %). Während im Jahr 2006 noch 162.000 Betriebe in Deutschland neu gegründet wurden, waren es 2013 nur noch 128.700 und in 2014 nochmals 3,7 % weniger als im Vorjahr. Unter den rund 124.000 Betriebsgründungen im Jahr 2014 befanden sich rund 86.000 Hauptniederlassungen.

Grüne Unternehmensgründungen in Deutschland

In den Gründungsfeldern Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Emissionsminderung, Kreislaufwirtschaft und anderen Bereichen der Green Economy wurden 2014 rund 21.500 neue Betriebe gegründet. Mit einer Zunahme um 4.800 Gründungen gegenüber dem Vorjahr verzeichnen die grünen Gründungen ein Wachstum von 28,7 Prozent. Bei einer allgemein rückläufigen Gründungsaktivität in Deutschland weisen grüne Gründungen in 2014 gegen den Trend eine stark positive Gründungsdynamik gegenüber dem Vorjahr auf. Im Zeitraum von 2006 bis 2014 wurden insgesamt rund 190.000 grüne Unternehmen gegründet.

Zunahme des Anteils und der Gründungsintensität grüner Gründungen

Im Jahr 2014 leisten insgesamt 17,3 Prozent aller Gründungen mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen Beitrag zu einer Umwelt und Klima schonenden Wirtschaft in Deutschland. Der Green Economy Gründungs- anteil erreicht damit den zweithöchsten Wert seit 2006. Im langjährigen Durchschnitt liegt er bei 14,7 Prozent. Trotz insgesamt rückläufiger Betriebsgründungen und einer gleichzeitig zunehmenden Erwerbstätigkeit steigt insgesamt auch die Green Economy Gründungsintensität auf 4,3 grünen Gründungen pro 10.000  Erwerbstätige (2013: 3,3).

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind die größten Felder grüner Gründungen

Von den rund 190.000 grünen Start-ups, die im Zeitraum 2006 bis einschließlich 2014 in Deutschland gegründet wurden, haben 36 % ihren Schwerpunkt im Bereich Erneuerbare Energien und 32 % im Bereich Energieeffizienz. Diese beiden Green Economy-Felder machen zusammen also fast zwei Drittel aller grünen Gründungen aus. Auch Gründungen, die mit ihren Produkten oder Dienstleistungen auf die Emissionsvermeidung fokussieren, spielen mit 14 % eine wesentliche Rolle.

Wirtschaftszweige mit starken grünen Gründungsanteilen

Wie verteilen sich im Jahr 2014 die insgesamt 21.500 grünen Gründungen auf einzelne Wirtschaftszweige? Die meisten grünen Startups finden sich in den Wirtschaftszweigen Bau (21 %), Handel (18 %) oder wurden in freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (14 %) gegründet. Das verarbeitende Gewerbe hat einen Anteil von knapp 10 %, die Energieversorgung von rund 6 % an allen grünen Gründungen.

Die Frage, wie hoch der Anteil grüner Gründungen innerhalb einzelner Wirtschaftszweige ist, gibt Aufschluss über die langfristig zu beobachtende ökologische Transformationsdynamik in einzelnen Sektoren. Im Bereich Energieversorgung konnten 2014 rund 86 % aller Gründungen als „grün“ eingestuft werden (Versorgung mit Ökostrom etc.). Im Energiesektor sind Energiegründungen sowohl Ausdruck als auch Treiber der Energiewende. Im Bereich Wasserversorgung, Abwasserentsorgung sowie Abfall wurden 2014 zwar nur 0,3 % aller Betriebe gegründet. Der Anteil grüner Gründungen lag mit 67 % aber relativ hoch. Letzteres gilt auch für den Bausektor, wo 54 % aller Gründungen Produkte und Dienstleistungen für den Umweltschutz liefern.

Green Economy Gründungsintentität im Bundesland-Vergleich

In den einzelnen Bundesländern lässt sich der Stellenwert der Green Economy im Gründungsgeschehen über einen Vergleich der Betriebsgründungsintensität mit der spezifischen Gründungsintensität grüner Unternehmen erkennen. Hamburg nimmt mit 35 Betriebsgründungen pro 10.000 Erwerbstätigen und 11,4 grünen Gründungen pro 10.000 Erwerbstätigen jeweils einen Spitzenplatz ein. Dagegen hat Schleswig-Holstein eine hohe grüne Gründungsintensität bei insgesamt eher schwächerer Gesamtgründungsintensität. Als länderspezifische Einflussfaktoren für grüne Gründungen lassen sich die jeweilige Wirtschafts- und Forschungsinfrastruktur, Förderbedingungen und energiewenderelevante Standortbedingungen benennen.

Grüne Gründungen im europäischen Vergleich

In Europa zählen Schweden und Finnland noch vor Deutschland zu den führenden Ländern bei Umweltinnovationen (vgl.  EIO 2013). Betrachtet man die Gründungen in den Jahren von 2006 bis 2013, so weist Schweden für diesen Zeitraum mit 16,6 % einen höheren Anteil an grünen Gründungen auf als Deutschland (14,3 %) und bestätigt seine starke Position. Gleichzeitig weist Finnland, das im Rahmen des europäischen Eco-Innovation Observatory zusammen mit Schweden auf Platz 1 in Europa liegt, deutlich weniger grüne Gründungen auf als Deutschland. Mit dem in 2014 auf 17,3 Prozent gestiegenen Green Economy Gründungsanteil hat Deutschland inzwischen zu Schweden aufgeschlossen.

Unterschiedliche Schwerpunktbereiche in Deutschland, Finnland und Schweden

Die langfristige Verteilung der Gründungen (2006 bis 2013) in den einzelnen Ländern auf einzelne Bereiche der Green Economy unterstreicht zunächst den hohen Stellenwert  von Gründungen in den Bereichen Wind,  Solar und Biomasse in Deutschland. Demgegenüber zeigt Finnland einen deutlichen Gründungsschwerpunkt auf dem Bereich Energieeffizienz. Junge Unternehmen in Schweden widmen sich vor allem der Luft- und Gewässerreinhaltung. Ressourceneffiziente Produkte und Produktionsprozesse spielen hier eine größere Rolle. Mit dem Rückgang der Gründungen im Bereich Erneuerbare Energien im Jahr 2014 verringert sich der Abstand Deutschlands zu den jeweiligen Ländern leicht.

Welchen Stellenwert haben grüne Gründungen?

Der Anteil grüner Gründungen an allen Betriebsneugründungen in Deutschland liegt seit 2006 kontinuierlich deutlich über 10 Prozent.  Im Jahr 2014 erreicht er mit einem Anteil von 17,3 Prozent den zweithöchsten Wert seit 2006. Die relative Bedeutung des Gründungsfeldes Green Economy am Gesamtgründungsgeschehen ist damit hoch. Sie nimmt von 2013 auf 2014 sogar nochmals zu.

Die Green Economy beschränkt sich nicht auf einzelne Wirtschaftszweige wie z. B. die Solarwirtschaft, sondern stellt einen Querschnittsbereich über alle Wirtschaftszweige hinweg dar. Fasst man die grünen Gründungen der einzelnen Wirtschaftszweige in einem Gründungssektor „Green Economy“ zusammen, so zeigt sich die gesamtwirtschaftliche Bedeutung. Der Handel verzeichnet im Jahr 2014 rund 32.700 Gründungen und ist traditionell der Wirtschaftszweig mit der absolut höchsten Anzahl von Betriebsgründungen. Dahinter rangiert auf Platz 2 schon der Querschnittsektor Green Economy mit rund 21.500 Gründungen. Während in den vergangenen zehn Jahren die Gründungszahlen in allen Wirtschaftszweigen rückläufig waren, weisen nur die Bereiche Green Economy und Information und Kommunikation eine stabile Anzahl an Gründungen auf.

Die Bedeutung der grünen Gründungen zeigt sich auch im Hinblick auf den Strukturwandel und die ökologische Transformation der Sektoren. Insbesondere im Energiesektor und im Baugewerbe sind grüne Gründungen bereits ein wichtiger Transformationsmotor. Im europäischen Vergleich ist das Gründungsgeschehen in Deutschland im Bereich Energiewende und Klimaschutz führend und schließt insgesamt zu führenden europäischen Cleantech-Ländern wie Schweden auf. Für die Gründungs- und Wirtschaftsförderung des Bundes sowie in den einzelnen Bundesländern geben die Ergebnisse Anlass, die Erschließung weiterer Potenziale und damit gezielte Anreize und Fördermaßnahmen zu prüfen. Dies erscheint sowohl mit Blick auf umweltpolitische Zielsetzungen wie den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung als auch mit Blick auf die Erschließung wirtschaftspolitischer Potenziale grüner Zukunftsmärkte notwendig. Im Unterschied zu den meisten anderen Wirtschaftszweigen sinken die Gründungszahlen im Querschnittssektor Green Economy zwar nicht, wie der Green Economy Gründungsmonitor zeigt. Hier ist allerdings auch im langjährigen Vergleich (2006 bis 2014) keine wesentliche Veränderung der absoluten Gründungszahlen zu verzeichnen.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

In der politischen und öffentlichen Aufmerksamkeit stehen grüne Gründungen bisher noch stark im Schatten des Themas Digitalisierung. Die wirtschafts- und umweltpolitischen Potenziale grüner Gründungen werden unterschätzt. Mittlerweile trägt fast jede fünfte Gründung mit ihren Produkten oder Dienstleistungen explizit zum Umweltschutz bei. Deshalb muss die Sichtbarkeit und Bedeutung des Gründungsfeldes Green Economy deutlich verbessert werden (vgl. Fichter et al. 2014). Im Rahmen der Gründungsinitiative Startup4Climate wurden erste Maßnahmen entwickelt. Dazu gehört das Gründungsportal www.start-green.net oder der Start Green Award, der vorbildliche grüne Start-ups und Gründungsförderer auszeichnet.

Herausforderungen

Künftig sollten sowohl in der Gründungsförderpraxis als auch in der Gründungsforschung verstärkt folgende Herausforderungen in den Vordergrund rücken:

  •  Wie können die Unterstützungs- und Finanzierungsbedingungen innovativer und wachstumsorientierter grüner Gründungen verbessert werden?
  • Wie lässt sich die sektorale Transformation zur Green Economy durch grüne Start-ups beschleunigen?  
  • Wie können digitale und grüne Transformation im Gründungsbereich Hand in Hand gehen?
  • Wie können grüne Gründungen und Energiegründungen   international erfolgreich zur globalen Energiewende und zur Umsetzung des globalen Klimaabkommens beitragen?
  • Wie können Green Economy Gründungsindikatoren in nationale und internationale Monitoringsysteme der Green Economy integriert werden?

Maßnahmen der Gründerinitiative StartUp4Climate

Ihr Ansprechpartner

Alexander Hain

Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gemeinnützige GmbH
Clayallee 323, 14169 Berlin
Telefon: +49 (0)30 306 45 100-0
Telefax: +49 (0)30 306 45 100-9
E-Mail: hain@borderstep.de

www.borderstep.de

Piloterhebung

Green Economy Gründungsmonitor 2013

In einer Piloterhebung in 30 deutschen Gründerzentren hatte der Green Economy Gründungsmonitor 2013 erstmals eine Untersuchung zur Bedeutung grüner Unternehmensgründungen durchgeführt. 

 
Green Economy Gründungsmonitor 2013_Kurzbericht (PDF)

Green Economy Gründungsmonitor 2013_Konzeptstudie und Piloterhebung (PDF)

Bildquelle (v.o.n.u.): 
1 © Thomas Bethge – Fotolia.com

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